NyxQuest: In der Kürze liegt die Würze?!Immer wieder zeigt es sich, dass Nintendos WiiWare-Plattform vor allem ein Sprungbrett für kleine Entwickler ist, die auf diesem Wege ihre frischen Ideen ohne große Umwege an den Spieler bringen können. Bestes Beispiel ist da das Entwicklerteam 2D Boy, das im letzten Jahr mit dem innovativen World of Goo die Kritiker reihenweise überzeugen konnte. Ob die spanischen Newcomer von Over the Top Games mit ihrem Plattformer NyxQuest: Kindred Spirits da mithalten können und ihr Spiel im Zukunft in einem Atemzug mit World of Goo und den bisher eher spärlich gesäten WiiWare-Highlights mithalten kann – das werden wir im Folgenden versuchen herauszufinden!
Auf Engelsschwingen
Der Plot von NyxQuest ist schnell erklärt: Nachdem der Gott Helios eine alles verwüstende Feuersäule auf die Erde gerichtet hat, macht sich die engelsgleiche Nyx auf die Suche nach ihrem verschwundenen Freund Ikarus. Dafür durchstreift sie die Ruinen griechischer Tempel, die teilweise bereits zur Hälfte im Wüstensand verschwunden sind oder nur durch bestimmte Fähigkeiten betreten werden können, die ihr im Spielverlauf von den Göttern höchstselbst erhaltet: Zuerst ist das die Möglichkeit, Felsen zu bewegen, später aus Mauern strömende Winde zu euren Gunsten zu beeinflussen und zuletzt Blitze auf Gegner und Hindernisse zu schleudern.

Durch Ziehen des Steines, auf dem Nyx steht, kommt ihr unverletzt an den Sandsäulen vorbei.
In jedem der insgesamt 13 Levels ist es euer Ziel, euch durch eine Vielzahl von Geschicklichkeitspassagen zum Ausgang zu retten. Dies schafft ihr, indem ihr eure euch von den Göttern gegebenen Fähigkeiten nutzt und – das wohl am häufigsten – eure eigene, nämlich das Schweben und Gleiten. Interessant ist dabei, dass für all diese Kommandos nur drei Buttons am Wiimote-Nunchuk-Doppel benötigt werden: Durch wiederholtes Drücken des A-Knopfes erhebt ihr euch in die Lüfte, wo ihr durch Halten von Z über eine begrenzte Distanz gleiten könnt. Alle Spezialfähigkeiten löst ihr mit B aus und indem ihr mit dem Cursor auf das gewünschte Objekt zielt. Visiert ihr etwa einen Fels an und drückt B, könnt ihr in verschieben; richtet ihr den Cursor gegen Ende des Spiels auf einen brüchig aussehenden Block und drückt dieselbe Taste, zerschmettert ihr ihn mit einem Blitz. Das geht schnell in Fleisch und Blut über, was auch bitter nötig ist, da das Spiel gegen Ende einiges von euch abverlangt: Nicht selten kommt es vor, dass ihr gleichzeitig fliegen, Steine verrücken und Gegnern ausweichen müsst, jedoch wird NyxQuest nie unfair – manchmal muss man eben ein wenig überlegen oder sein Glück mehrmals versuchen.
Insgesamt erinnert das Spielprinzip frappierend an den WiiWare-Launch-Titel LostWinds, ebenfalls ein 2D-Plattformer und mit einer ungewöhnlichen, aber gut funktionierenden Steuerung im Gepäck. Auch in Sachen Spielumfang sind sich beide Spiele gar nicht mal so unähnlich, aber dazu später mehr.

Die Levels sind teilweise sehr komplex aufgebaut.
Technisch zwischen Hell und Dunkel
Ähnlich wie beim Gameplay wurde bei der Technik nichts falsch gemacht: Zwar ist NyxQuest ein 2D-Sidescroller und bietet genretypisch keine weiträumigen Open-World-Areale; dafür wurden die Levels mit viel Liebe zum Detail gestaltet – wenn auch die Hintergründe teilweise etwas trist sind und die Wüste nur durch mehr Wüste aufgelockert wird. Möglicherweise hätten verschiedene Settings dem Spiel gutgetan, nicht immer nur karge Wüstenebenen. Zudem sind die für Wii-Spiele typischen Treppchen am Rand von Objekten hier besonders schlimm, teilweise erkennt man die Heldin aus einem Brei von Pixeln kaum wieder. Nichtsdestotrotz bietet das Spiel auch eine Reihe schöner Momente, so gut wie alle Lichteffekte sind wirklich großartig gelungen und die Animationen (besonders der Gegner) machen einen ordentlichen Eindruck.
Letztendlich ist es aber vor allem der Sound, der dem Spiel eine einzigartige Atmosphäre verleiht: Geheimnisvoll, oft kaum wahrnehmbar, dann wieder energisch aufbrausend präsentieren sich die Musikstücke, die (zumindest laut offizieller Micro-Site) sogar mit originalen, "authentischen" Instrumenten eingespielt wurden. Hier wurden wirklich keine halben Sachen gemacht!

Ein Gegner, dem ihr anfangs nur ausweichen könnt. – Erst später könnt ihr ihm mit euren Blitzen etwas anhaben.
Ewiger Spielspaß?
Eine einzige, wirklich nicht zu ignorierende Schwäche hat NyxQuest dann aber doch: Es ist viel zu kurz! Mit guten drei Stunden für die regulären zwölf Level ist es zwar etwa eine Stunde länger als das bereits erwähnte LostWinds, aber immer noch nicht gerade lohnend, zumal bei einem Preis von 1000 Nintendo Points! Ein Wiederspielwert ist zwar begrenzt vorhanden (in den Levels sind insgesamt 20 Objekte versteckt, deren Fund am Ende eine besonders schwierige Stage freischaltet), rechtfertigt aber dennoch nicht die Kürze des Spiels – auch wenn es wesentlich fordernder als etwa LostWinds ist.
Fazit
Letztendlich ist es schwierig, für NyxQuest: Kindred Spirits eine klare Kaufempfehlung auszusprechen. Prinzipiell ist es ein wirklich gutes Spiel, das den Spieler motiviert und fordert – das aber eben nur über eine kurze Spielzeit hinweg. Wer sich damit abfinden kann, wird ohne Zweifel seine Freude an diesem innovativen Titel haben, der – um wieder auf den Anfang zurückzukommen – tatsächlich als Highlight im durchwachsenen WiiWare-Line-Up bezeichnet werden kann!
geschrieben von Flughirnchen am 13.07.2009 | 0 Kommentare | Kommentar schreiben